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Gerade in Zeiten knapper Ressourcen brauchen Ideenmanager gute Argumente, um Entscheider vom Nutzen und von der Daseinsberechtigung des Ideenmanagements zu überzeugen. Mit der Metapher des „Melting Pots“ veranschauliche ich die Wirkweise des Ideenmanagements und zeige, dass ein „brodelnder Ideentopf“ auch allen anderen auf Verbesserungen und Innovationen gerichteten Initiativen zugute kommt.

Wie bereits in einem früheren Blogbeitrag von Hartmut Neckel ausgeführt, liegt eine der Hauptaufgaben des „klassischen“ Ideenmanagements darin, eine „Verbesserungskultur“ auf breiter Basis in die gesamte Organisation zu bringen. Dabei gibt es keinen festen Fokus auf bestimmte Verbesserungsziele oder Innovationsthemen. Ideenmanagement ist offen für jede
Art und Komplexität von Ideen – vom „kleinsten“ Verbesserungsschritt bis zur disruptiven Innovationsidee. Diese Bandbreite wird in der Praxis auch permanent erreicht und muss bewältigt werden.

Ich sehe in dieser Breite und Tiefe nach wie vor eine unschlagbare Stärke des „klassischen“ Ansatzes. Sicher sind damit auch Risiken und Aufwände verbunden – etwa im Hinblick auf die von Neckel angedeutete „Zufälligkeit“ und fehlende Vorhersehbarkeit des Geschehens auf Seiten der Ideengeber. Aber es ist eine mehr als lohnende Aufgabe des Managements, diese Herausforderungen zu bewältigen.

Unterstellen wir hier einmal, es gelingt dem Ideenmanagement, seine primären Aufgaben zu erfüllen: die richtigen Prozesse laufen, die richtigen Maßnahmen und Initiativen greifen, die richtigen Formen der Motivation sind gefunden, usw. Dann übernimmt das Ideenmanagement die Rolle des „Melting Pots“, wie es in der Abbildung illustriert ist:

Blog-6_Gastbeitrag-MeltingPot_2020-02-14

Abbildung: Ideenmanagement als „Melting Pot“ für eine lebendige Verbesserungskultur

 
  • Der „Melting Pot“ steht für den Platz, an dem die „Improvement culture“ der gesamten Organisation mit all ihren Ideen und Denkansätzen zusammen- und zum „brodeln“ gebracht wird – das heißt: Hier wird diskutiert, gestritten, priorisiert, nach Kompromissen und Entscheidungen gesucht, finanziert, eingeführt, … usw.
  • Genau dieses „Brodeln“ ist das, was ein Ideenmanagement so wertvoll macht: Nur dadurch kommt es überhaupt zu neuen, nicht top-down geplanten Veränderungen.
  • Nebenbemerkung: Leider ist es aber auch genau dieses „Brodeln“, was den „klassischen“ Ansatz oft in Teilen des Managements unbeliebt macht. Denn einen schwer planbaren und unvorhersehbaren Ansatz wollen manche eigentlich gar nicht! Weil in Zeiten von in Quartalsberichten (selbst für Produktivität und Kostenverbesserungen) eingeforderten Forecasts und von knappen Budgets und Ressourcen kaum etwas „schlimmer“ ist als ungeplanter Ressourcenbedarf und Kosten für Verbesserungsmaßnahmen … (welch eine Ironie, wenn man darüber nachdenkt).
  • Zurück zum Bild: Der „Melting Pot“ ist am Brodeln und Dampfen. Und dieser „Dampf“ lässt auch alle weiteren Initiativen im Umfeld des Ideenmanagements (LEAN, KVP, QM, EHS, …) profitieren. Unweigerlich müssen Ideen aus dem Pot mit den jeweiligen Verantwortlichen diskutiert und entschieden werden. Dabei ergibt es sich ganz natürlich, dass auch Ideen aus den anderen Initiativen mit den Ideen im Pot „in Konkurrenz“ treten und Prioritäten getroffen werden müssen.
  • Die Verantwortlichen dieser Initiativen können dabei erkennen, dass das klassische Ideenmanagement eine zusätzliche Quelle und Möglichkeit bietet, klar fokussierte Ziele zu platzieren und durch Ideen zu unterstützen. So können etwa Ideen aus dem klassischen Ideenmanagement in Innovationsfunnels platziert werden, wenn sie inhaltlich dorthin gehören. Und umgekehrt können Ideen, die in z.B. einer Innovationskampagne der Forschungsabteilung (oder wo auch immer) generiert und gesammelt, aber dort nicht „verwendet“ wurden, über den klassischen Prozess wieder in die Organisation eingebracht werden.

Natürlich erfordert dies permanente Abstimmungs- und Schnittstellenprozesse. Und natürlich verursacht dies häufig ungeplant zusätzlichen Zeit- und Entscheidungsaufwand. Aber ist es denn nicht genau das, was eine Verbesserungskultur im Alltag ausmacht? Und ist die Vorstellung, dass Verbesserungen planbar und durch die genau richtigen Ideen zur genau richtigen Zeit passieren, nicht einfach nur eine Wunschvorstellung, die kein System der Welt wirklich befriedigen kann?

Verbesserungskultur gibt es nicht zum Nulltarif: Verbesserung ist Arbeit – in der gesamten Organisation. Ob in Gesprächen mit dem Management, in Veranstaltungen vor Führungskräften oder in Leitungskreisen: Die Darstellung des „Melting Pots“ hat mir in den letzten Jahren in mehr als einem Land dabei geholfen, die oben geschilderten Zusammenhänge nachvollziehbar zu machen und zu vermitteln, dass sich diese Arbeit für alle lohnt.

  • Nutzen Sie den „Melting Pot“ oder andere Bilder und Metaphern, um hergebrachten Sichtweisen auf das Ideenmanagement den Spiegel vorzuhalten und darüber in eine lebendige Diskussion einzusteigen.

 

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Magnus Brückner, Siemens (Gastautor)

Magnus Brückner, Siemens (Gastautor)

Magnus Brückner, geboren 29.03.1969, lebt mit seiner Familie in der Nähe von Coburg in Oberfranken. Nach der kaufmännischen Ausbildung und dem berufsbegleitendem BWL-Studium war er fast 10 Jahre in Ve
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