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Kennen Sie Delo, Wittenstein oder iteratec? Sie gehören zu den rund 3,5 Mio. kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland. KMU investieren viel in neue Technologien, Talente und Partner, um ihre Innovations- und Wettbewerbskraft zu sichern. Mich hat interessiert: Nutzt der Mittelstand ein professionelles Ideenmanagement, externes Wissen von Kooperationspartnern – oder wo kommen seine Ideen her?

Der deutsche Mittelstand abgehängt? Nicht fit für die digitale Zukunft?  Aktuelle Zahlen und News sprechen eine andere Sprache. Von weltweit 2.700 „Hidden Champions“ sind 1.307 deutsche Mittelständler. Eine Studie im Auftrag der Deutschen Telekom sagt: Jedes zweite mittelständische Unternehmen hat die Digitalisierung in der Geschäftsstrategie verankert. Im Handelsblatt heißt es gar: Unser Google ist der Mittelstand. Es gäbe international kaum Produkte, in denen nicht deutsche Technologie verbaut ist, Dosierpumpen, Spezialmaschinen, Kurbelwellen. Das mache uns zum weltweit größten „Enabler“ der Digitalisierung in der Industrie.

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Abb. 1: Zahlen, Daten, Fakten: Der deutsche Mittelstand ganz offiziell

Fakt ist: Deutsche Mittelständler sind zu 95 Prozent in Familienhand. Ihre Stärken: Sie sind schnell, agil, top-aufgestellt in Schlüsseltechnologien, haben flache Hierarchien, kurze Entscheidungswege, ein hoch engagiertes Mitarbeiterteam und Management. Und sie investieren viel in die besten jungen Talente und Technologien weltweit.

Kreative Freiräume für Mitarbeiter

Wie Klebstoffspezialist Delo, einer dieser „Hidden Champions“, kaum bekannten Weltmarktführer aus dem Mittelstand. Hier sucht das Management Mitarbeiter sorgsam aus, bindet sie ein in Veränderungs- und Entscheidungsprozesse. Dafür gibt es regelmäßige Strategie-Seminare und einen intensiven Dialog mit der Belegschaft. Sabine Herold, geschäftsführende Gesellschafterin von Delo: „Das ist ein riesengroßer Motivationsschub, wenn sie heute schon an innovativen Produkten arbeiten, von denen sie wissen, dass sie übermorgen auf dem Markt sind. Wir sitzen hier nicht im Elfenbeinturm.“ Tür und Ohr der Delo-Chefin, klar, sind immer offen.

Ein Kreativprozess kann aber nur stattfinden, wenn Mitarbeiter über Freiräume verfügen, wenn sie Zeit haben, über bestehende Produkte, Projekte und Strukturen nachzudenken. Bei Delo gibt es dafür eine offizielle Spinnerzeit: Jeder Mitarbeiter in der Forschung kann bis zu zehn Prozent seiner Arbeitszeit für die Ausarbeitung und Weiterentwicklung von Ideen nutzen oder auch einfach ausprobieren und tüfteln. Bei Google sind so Gmail, Google News und StreetView entstanden – durch das 20-%-Projekt, das schon seit den 90er Jahren läuft. 

Beim Münchner IT-Dienstleister iteratec gibt es ein ähnliches Format: Am Innovation Frei-Day kann die Belegschaft nach Herzenslust an neuen Ideen basteln und an eigenen Projekten forschen, für die im normalen Tagesgeschäft kein Platz ist. Ganz einfach so. Ohne Rechenschaft ablegen zu müssen.

Jede Idee zählt 

Eine positive Vertrauens- und Fehlerkultur – Google & Co. haben auch das vorgemacht – fehlt vielerorts noch bei uns. In den USA hat man Vertrauen in die Kreativität der Mitarbeiter, man darf experimentieren und scheitern (Motto: „fail well“). „In Deutschland“, sagt Silicon-Valley-Insider Gerriet Danz, „sind Fehler verpönt. Innovatoren sind nach einem Fehler nicht gescheitert, sondern gescheiter!“

Entscheidend ist doch: Jede Idee zählt, ob klein oder groß, Verbesserungspotenzial gibt es immer. Im Ideenmanagement – meist ein Mix aus Betrieblichem Vorschlagswesen (BVW) und Kontinuierlichem Verbesserungsprozess (KVP) – ist diese Haltung immanent. Professionelles Ideenmanagement gilt als klassisches Win-Win: für Mitarbeiter in Form von Wertschätzung und Prämien, für Unternehmen durch Innovationen und Einsparungen, oft sogar in Millionenhöhe.

BVW_KVP_Pic      Abb. 2: BVW und KVP – die Unterschiede

So wie bei Bayer: Am Standort Knapsack haben zwei Technik-Mitarbeiter eine Lösung entwickelt, mit der das Unternehmen teure Produktionsstillstände und Reinigungsarbeiten vermeidet – und so ein Einsparpotenzial in Höhe von sage und schreibe 26 Mio. Euro erschlossen hat.

Auch Mitarbeiter können kräftig absahnen. Beim Automobilzulieferer Bosch fanden zwei Gießerei-Mitarbeiter eine einfache, günstige Methode zur Reinigung von Rohren mit Sauerstoff, durch die bislang flüssiges Stahl floss. Zuvor hatten Rohrverstopfungen für viele Ausfälle gesorgt. Ausgeschüttete Prämie für diesen einzigartigen Verbesserungsvorschlag: 150.000 Euro.

Ideenmanagement oft profitabelster Bereich im Unternehmen

Sind das nun handfeste Argumente für den Einsatz eines Ideenmanagements – oder wie sieht die aktuelle Nutzung in deutschen Unternehmen aus? Im Mittelstand? Die Ideenmanagement-Studie 2018 hat genau das untersucht. Eine Erkenntnis: Firmen mit hoher Unterstützung durch das Top-Management haben generell bessere Kennzahlen. Unternehmen, die mit ihren Führungskräften Zielvereinbarungen für das Ideenmanagement etabliert haben, erzielen die vierfach höhere Einsparung pro Mitarbeiter, einen doppelt so hohen ROI sowie deutlich höhere Beteiligungs- und Realisierungsquoten. Auch Durchlaufzeiten verkürzen sich. Ist das so in der Praxis?

Bei Technikprofi Klauke, heute Teil der Emerson-Gruppe, brachte das 2016 eingeführte Ideenmanagementsystem in der Tat viele positive Effekte: Die Mitarbeiterbeteiligung liegt bei konstant rund 34 Prozent. Die Durchlaufzeiten zur Bearbeitung von Ideen reduzierten sich von 30 auf 15 Tage. Und die Qualität der eingereichten Ideen hat sich verbessert. 2017 konnten so Kosten in Höhe von 120.000 Euro eingespart werden. Bei der Hannover Messe 2017 belegte die Klauke-Idee zu einem „Nullpunktspannsystem“ einen zweiten Platz: Die Umsetzung dieser Idee hat die Rüstzeit in der Produktion um mehr als die Hälfte reduziert. Für Ideenmanagerin Daniela Karstens „ein weiteres Beispiel dafür, was modernes Ideenmanagement in Unternehmen bewirken kann.“

Aber auch bei kleineren Firmen rechnet sich ein systematisches Ideenmanagement. Bei Gabelstapler-Zulieferer Meyer können Mitarbeiter viermal im Jahr eine Prämie bekommen. Alle Ideen des Jahres landen in einer Weihnachtstombola. Die drei Gewinner erhalten Prämien von insgesamt 5.000 Euro. Spart Meyer durch die Idee jährlich mehr als 2.500 Euro, bekommt der Ideengeber on top eine Prämie von 20 Prozent der Einsparung im ersten Jahr.

Mittelstand spart 2 bis 3 Euro – pro investiertem 1 Euro

Wie Meyer nutzen 80 Prozent aller KMU das Ideenmanagement, um Einsparpotenziale zu identifizieren, ihre Effizienz zu erhöhen. Das funktioniert offenbar prächtig: Mittelständler sparen für jeden investierten Euro 2 bis 3 Euro ein. Trotzdem unterschätzen noch immer viele KMU den Ideenreichtum und die Kreativität ihrer Mitarbeiter: Nur rund 45 Prozent der Mittelständler betreiben zurzeit ein eigenes Ideenmanagement – da ist viel Luft nach oben.

iwd-2019-05-6-7-Ideenmanagement_D                Abb. 3:  Ideenmanagement-Studie 2018: Deutsche Dienstleister sparen am meisten
 

Auch interessant: Mitarbeiter im Mittelstand reichen mit 2,5 Ideen pro Jahr deutlich mehr Vorschläge ein als ihre Kollegen in Großbetrieben – die kommen nur auf 0,3 Vorschläge pro Jahr und Mitarbeiter. Das hängt auch davon ab, wie schnell der Prozess ist. Laut Studie dauert es im Schnitt knapp zweieinhalb Monate, bis eine Idee entschieden und nochmal einen guten Monat, bis sie umgesetzt wird. Insgesamt 43 Prozent der Ideen schaffen es in den Praxisbetrieb. 

iwd-2019-05-6-7-Ideen_D Abb. 4: Fast jeder Dritte bringt kreative Ideen ein

Noch ein Negativbeispiel: In jedem fünften Betrieb werden zwar offenbar Ideen gesammelt und belohnt, aber nicht umgesetzt. So wird jede Kreativität im Keim erstickt! Wertschätzung ist Mitarbeitern in der Regel viel wichtiger als die Aussicht auf Prämien: Weil sie merken, dass ihre Arbeit wichtig ist. Weil sie mit ihren Ideen die Zukunft des Unternehmens mitgestalten können.

Zentrale Erfolgsfaktoren im Ideenmanagement: Die 4S

Kreative Köpfe, die mit Begeisterung etablierte Prozesse, Produkte und Strukturen hinterfragen und noch effizienter machen: Unbestritten ist das ein zentraler Erfolgsfaktor für die Innovationskraft jedes Betriebs. Dafür braucht es Firmen, die alle Mitarbeiter fördern und ermuntern, eigene Ideen einzubringen. Es braucht – da sind wir wieder bei der Kultur – einen fruchtbaren Boden für Innovation, für den Aufbau und Betrieb eines eigenen Ideenmanagements. Zeit. Ressourcen. So einiges. Die zentralen Erfolgsfaktoren nenne ich die „4 S“: Support, Simplizität, Schnelligkeit, Sichtbarkeit (s. Abb. 5).

Erfolgsfaktoren Ideenmanagement

Attraktives Ideenmanagement lebt auch vom persönlichen Engagement der Verantwortlichen. Ein Ideenmanager in Vollzeit – sagt die Ideenmanagement-Studie 2018 – ist deshalb erfolgreicher als einer in Teilzeit. Aufgaben wie Mitarbeitermotivation, Ideenfindung und -bearbeitung, Budgetierung, Marketing lassen sich eben nicht mal so nebenher managen. Das zeigt auch die Praxis: Sowohl bei Meyer als auch bei Klauke gibt es einen Ideenmanager in Vollzeit.  

Natürlich verfolgt man dort spannende, neue Trends, wie Ideenkampagnen, Kollaborations- und Kreativitätstools – oder Open Innovation (OI), ein Erfolgsmodell zur Einbindung von Externen, das zunehmend auch im Ideenmanagement Einzug hält. Schließlich geht es darum, Expertenwissen so früh wie möglich zu nutzen, um gemeinsam so effektiv und effizient wie möglich an Ideen und Lösungen zu feilen. Speziell forschungs- und wettbewerbsintensive Industriebetriebe können nicht mehr alle Kompetenzen selbst abbilden. Schwergewichte von Bosch bis BASF zapfen daher längst externe Wissensquellen an und kooperieren mit Universitäten, Start-ups, Lieferanten, um ihre Produktentwicklung zu befeuern und ihr Innovationspotenzial zu vergrößern.

Mut zur Offenheit wird belohnt

Aktuelle Studien belegen, dass durch Open Innovation Ansätze Innovationsprozesse um 60 bis 90 Prozent effizienter werden. Auch KMU profitieren,sagt Frank Piller, Professor für Technologie- & Innovationsmanagement an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH): „Open Innovation ist für den Mittelstand besonders interessant, um sich im Markt zu behaupten.“ 

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  Abb. 6: Open Innovation im Mittelstand

Ist das so? Schauen wir mal zum Antriebstechnikprofi Wittenstein. Hier startete man schon vor Jahren OI-Initiativen auf der populären Online-Plattform von NineSigma, investierte in Start-ups aus dem Bereich Industrie 4.0, pflegt heute gute Kontakte zu anderen etablierten Anbietern und Forschungsinstituten, bezieht Kunden in die Produktentwicklung mit. Sein Tipp: In Trendradar-Workshops könnten gemeinsam mit externen Partnern wie Kunden, Kernlieferanten und Wissenschaftlern Mega-Trends identifiziert und auf Produktideen heruntergebrochen werden.

Inzwischen gibt es viele pfiffige OI-Ansätze im Mittelstand. In der Region Bielefeld startete vor kurzem eine bislang einzigartige Kooperation zwischen Mittelstand und Start-up-Szene: Elf Familienunternehmen – darunter Traditionsbetriebe wie Miele, Dr. Oetker, Goldbeck, Schüco – haben mit dem Technologienetzwerk it‘s OWL eine digitale Hinterland Allianz etabliert. In Hackathons und Workshops zu Digitalthemen wie KI oder Sharing Economy wollen sie die kreativen Impulse von außen nutzen und von der Start-up-Kultur lernen, Ideen zu adaptieren und zu transferieren. So erhöht man das eigene Problemlösungspotenzial und sichert Innovation.

Ob es um Produkt- bzw. Prozessoptimierung geht, Mitarbeiter-Motivation, den digitalen Wandel, mehr Umsatz, Kosteneinsparungen oder neue Partner-Netzwerke: Firmen jeder Größe tun heute gut daran, die „zufällige Jagd“ nach der besten Idee zu systematisieren. Zukunftsorientiertes Ideenmanagement, das zeigt der Blick in Forschung und Praxis, spielt nachweislich eine Schlüsselrolle bei der Sicherung der Innovations- und Wettbewerbskraft. Es unterstützt die strategischen Ziele von Organisationen nachhaltig. Und es verbindet Menschen, weltweit.

Sie planen den Aufbau eines eigenen Ideenmanagementsystems? Oder suchen die richtigen Partner für Open Innovation-Projekte? Als einer der führenden Anbieter von Ideen- und Innovationssoftware begleiten wir seit vielen Jahren Kunden und Projekte weltweit. Wir zeigen Ihnen typische Anwendungsfälle, was unsere Software bietet und wie unsere Kunden sie einsetzen!



Quellenangaben:

https://www.bvmw.de/themen/mittelstand/zahlen-fakten/ 

https://www.digitalisierungsindex.de/digitalisierung/

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/hidden_champions/weltmarktfuehrer-delo-hier-kennt-man-den-chef-nicht-nur-vom-foto-im-intranet/10316836-all.html

https://kompetenzzentrum-augsburg-digital.de/factory-tour-google/

https://www.iteratec.de/news/details/bayerns-best-50-iteratec-ist-wieder-ein-ausgezeichnetes-unternehmen/

https://www.marktundmittelstand.de/personal/mit-ideen-von-mitarbeitern-laesst-sich-bares-geld-sparen-1254071/ 

https://www.chemietechnik.de/mitarbeiter-idee-spart-bayer-in-knapsack-26-mio-euro/

https://www.bosch-presse.de/pressportal/de/de/bosch-mitarbeiterideen-sparen-395-millionen-euro-42789.html  

https://www.hlp.de/studie-2018 

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ideenmanagement-schat-1.4496964 

https://www.iwd.de/artikel/fortschritt-von-innen-421224/ 

https://www.deutsche-bank.de/fk/de/docs/Open_Innovation(1).pdf

https://www.produktion.de/trends-innovationen/open-innovation-so-kommen-sie-zu-genialen-ideen-312.html?page=3 

https://www.its-owl.de/home/ 

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/familienunternehmer/ostwestfalen-familienunternehmen-um-oetker-und-miele-schliessen-digitale-hinterland-allianz/23933992.html?ticket=ST-3554097-DgnxFgUMnfS4gcwGNMll-ap1  





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Vera Lampl

Vera Lampl

Vera Lampl unterstützt das Marketing-Team bei HYPE als Senior Content Marketing Manager und kümmert sich primär um deutsche Marketing-Inhalte, speziell im Bereich Ideenmanagement. Für HYPE und seine K
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