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Innovation in einer Pandemie: 4 Erfolgsbeispiele von Organisationen

Seit Beginn der Corona-Pandemie habe ich neben meiner üblichen Rolle als Entwickler, Treiber und Leiter von Open-Innovation-Programmen unbemerkt eine zusätzliche Rolle übernommen. Wir alle mussten umdenken, zusätzliche Rollen und neue Aufgaben übernehmen. Das gilt  vor allem für Unternehmen und Organisationen. Überall auf der Welt. 

Trotz aller Hindernisse war 2020 ein exzellentes – und auch dringend benötigtes – Jahr der Reflektion. Ob groß oder klein, ob öffentlich oder privat, ob sie wichtige Produkte bzw. Services liefern oder nicht: Überall waren Unternehmen gezwungen, sich genau anzusehen, was sie tun, woran sie glauben und wie sie sich angesichts der neuen Umstände (positiv) entwickeln können. Im Grunde ging es für Unternehmen darum, ihren Erfolg zu definieren, zu analysieren und zu managen. Es hört sich vielleicht seltsam an, aber wir alle haben einen Crashkurs in Customer Success Management absolviert. Wir haben uns gefragt: Wie machen wir jetzt unsere Kunden glücklich?

Wie managt man in unsicheren Zeiten den eigenen Erfolg und den anderer? Wie hält man ein Innovationsprogramm attraktiv und lebendig? Wie motiviert man die Mitarbeiter? Und wie generiert man in einer Krise neue Möglichkeiten und Chancen? Muss man dazu auch ungewöhnliche Wege gehen? Man kann schließlich "nicht geradeaus gehen, wenn die Straße kurvig ist", sagt ein altes Roma-Sprichwort.

Um diese Fragen zu beantworten, habe ich in der Coronakrise eine Vielzahl von (Online-)Gesprächen zum Thema Innovation geführt – mit Infineum, Linklaters, Saint-Gobain und der Universität von Kalifornien in San Diego. Das Ergebnis der vier offenen, intensiven und aufschlussreichen Diskussionen sehen Sie hier.

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In diesen Mini-Interviews ging es um folgende Themen:

  • Neue Ziele oder Verschiebungen bestehender Ziele, die die Corona-Pandemie für Innovationsprogramme mit sich gebracht hat
  • Ergebnisse von Ideenkampagnen/-kanälen in der Coronakrise
  • Zentrale Erkenntnisse, die auch nach der Krise noch relevant sein werden
  • Spannende Reaktionen von Menschen, die Innovationsprogramme leiten bzw. unterstützen

Sehen Sie selbst,  wie bravourös diese Organisationen es geschafft haben, dass Covid-19 sie gestärkt hatnicht überfordert. Wie diese Organisationen in der Ungewissheit eine Chance gesehen haben. Wie diese Organisationen es gelernt haben, gleichzeitig zu kooperieren und zu konkurrieren (siehe ReImagining Fundraising, eine globale Open-Innovation-Kampagne, die von UNICEF und vielen anderen NGOs initiiert wurde).

Wenn eine Krise uns unvorbereitet trifft, „aus der Box“ wirft (wie unser Freund Prof. John Bessant zu sagen pflegt), greifen wir oftmals auf die Erfahrungen anderer Menschen zurück. Vielleicht schauen wir sogar zurück in unsere eigene Vergangenheit – und ziehen dann wieder Projekte und Ideen in Betracht, an die wir vorher nicht gedacht haben, die bislang nicht realisiert wurden.

Interview mit Infineum

Infineum ist einer der weltweit führenden Formulierer, Hersteller und Vermarkter von Kraftstoff- und Schmierstoffadditiven. Im folgenden Interview spreche ich mit Caroline McGee, Technology Innovation Manager, David Coultas, Innovation Team Leader, und Thomas Robinson, Senior Chemist, darüber, wie sich Covid-19 auf iHub (das Innovationsprogramm von Infineum) und die Mitarbeiter insgesamt ausgewirkt hat.

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Trotz berechtigter Befürchtungen hat die Pandemie die interne Zusammenarbeit bei Infineum nicht beeinträchtigt. Ganz im Gegenteil. Da ein Großteil der Belegschaft von zu Hause aus arbeitet, floriert die Innovation – das Engagement dafür ist sogar größer und dauerhafter als je zuvor. So beteiligte sich beispielsweise ein Drittel des Unternehmens regelmäßig an Online-Kollaborationen, und zwar ohne zusätzliche Kommunikationsanstrengungen. Generell gab es eine viermal höhere Aktivität, z.B. eine viel höhere Nachfrage nach Kampagnen.

Ein Innovationsprogramm mag im minimierten Betriebsmodus und in einer komplett virtuellen Umgebung vielleicht anders "aussehen" – seine Effektivität ist aber zweifellos unverändert, wenn nicht sogar größer.

Drei weitere Erkenntnisse aus diesem Gespräch:

  1. Eine Innovationsplattform ist ein hervorragendes Werkzeug, um Kollegen weltweit zu erreichen. Sie kann auch als "Influencer-Tool“ fungieren, etwas oder jemanden beeinflussen. Zum Beispiel kann eine Arbeitspraxis, die von der Community befürwortet wird, schnell umgesetzt werden.
  2. Innovationsgespräche können sich im Verlauf einer Pandemie verlagern, d.h. sie bewegen sich weg von technischen Problemen hin zu Tipps für das Wohlbefinden und Best Practices zur Arbeit im Homeoffice. Das kam bei den Mitarbeitern super an! 😊
  3. Eine Pandemie kann den Aufbau eines externen Ökosystems beschleunigen, etwa um ein Open-Innovation-Programm mit akademischen Partnern zu starten. Ohne die Pandemie hätte das vielleicht wesentlich länger gedauert.

Interview mit Linklaters

Linklaters ist eine weltweit tätige, führende Wirtschaftskanzlei, die juristisches Fachwissen mit einem kollaborativen und innovativen Ansatz zur Unterstützung ihrer Kunden verbindet. Sie nutzte ihr internes Ideenportal, Ideas Pathway, während des ersten Lockdowns für die interne Zusammenarbeit. Im nachfolgenden Interview gehen Grant Beecham, Senior Innovation Manager, und ich der Frage nach, wie die Pandemie zu (besseren) Leistungen für Kanzleikunden geführt hat.

Eines der Hauptziele von Linklaters Innovationsprogramm war und ist der Kulturwandel, d.h. Innovation als Denkweise in der Kanzlei zu verankern. Interessanterweise hat die Pandemie diesen Wandel beschleunigt – und heute ist Innovation im Unternehmen sogar etablierter an als je zuvor.

Die Mitarbeiter wurden stärker motiviert, das Portal zu nutzen – und sie (er)fanden dafür sogar neue Anwendungen. Beispielsweise nutzt die Global Capital Markets Practice nun einen eigenen Kanal für Fachgespräche und Chancengenerierung. Neben laufenden Aktivitäten der Kanzlei zur Neugestaltung von Kundendokumenten und -prozessen haben dort auch Diskussionen rund um das Thema "Homeschooling" ein Zuhause gefunden.

 

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Drei weitere Erkenntnisse aus diesem Gespräch:

  1. Wer eine weltweite Anwalts-Community motivieren und vorantreiben will, sollte sich auf den Austausch von Best Practices konzentrieren: Man kann zum Beispiel Mitarbeiter bitten, Ideen beizusteuern, die in den letzten 6-12 Monaten umgesetzt wurden – und andere Teams dabei unterstützen, diese an ihrem jeweiligen Standort bzw. in ihrem eigenen Umfeld aufzugreifen.
  2. Starker Management-Support motiviert ungemein – besonders in unsicheren Zeiten. Die Pandemie hat auf allen Ebenen der Organisation die menschliche Seite zum Vorschein gebracht.
  3. Man sollte nicht nur darüber nachdenken, wie man seinen Kunden dient, sondern auch, wie man den eigenen Mitarbeitern dient. Vor allem sollte man darüber nachdenken, wie man Teams in einer Krise motiviert und sicherstellt, dass sie sich fachübergreifend effektiv vernetzen.

Extratipp: Sehen Sie sich die Aufzeichnung des Webinars an, um zu erfahren, wie Linklaters und Mattel auf die Covid-19-Krise reagieren. [Jetzt ansehen] (nur auf Englisch verfügbar).

Interview mit Saint-Gobain 

Saint-Gobain entwickelt, produziert und vertreibt Werkstoffe und Lösungen, die für das Wohlbefinden eines jeden und die Zukunft aller gedacht sind. Mark Famy, Innovation Development Lead, und ich sprachen über Führung, Leadership, und ihre große Bedeutung für die Anpassungsfähigkeit einer Organisation an veränderte Umstände. „Servant Leadership", eine Philosophie, bei der das Hauptziel der Führungskraft darin besteht "zu dienen", war eines unserer Themen. Hilfreiche Tools und Techniken in unsicheren Zeiten kamen ebenfalls zur Sprache.

Bei Saint-Gobain hat die Pandemie gezeigt, dass der Sprung zu neuen Lösungen bzw. Schlussfolgerungen nicht immer lukrativ ist. Mark Famy ist der Meinung, dass sich die Erkundung des „Problemraums“ (mit den richtigen Kreativitätswerkzeugen) als erster Schritt besser eignet. Als Führungskraft – weitere Taktik – sollte man sich verwundbar zeigen und konkrete Vorhersagen vermeiden (im Moment sei es schwierig und sogar gefährlich, die Zukunft vorherzusagen). Kollaborativ zu arbeiten und von einer mittel- auf eine langfristige Sichtweise umzuschalten, sei viel besser – auf diese Weise könne sich ein Unternehmen auch eng an die Bedürfnisse der Gesellschaft anpassen.

 

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Drei weitere Erkenntnisse aus diesem Gespräch:

  1. Selbst in Unternehmen, in denen persönliche Innovationsworkshops Usus sind, kann soziale Distanz zu positiven Veränderungen führen, d.h. Webinare können dabei helfen, eine gewisse Form der Serendipität zu schaffen – und hohes Engagement.
  2. In einer Krise kann "Back to Basiscs" eine nützliche Taktik sein für Unternehmen, z.B. könnte sich bei der Betrachtung der Kundenbedürfnisse herausstellen, dass Innovation gar nicht notwendig ist. Stattdessen ist es vielleicht wirkungsvoller, dem Kunden dabei zu helfen, auf den Notfall zu reagieren und/oder das Problem (neu) zu formulieren.
  3. Innovation ist nicht jedermanns Ding. Bieten Sie Mitarbeitern in unsicheren Zeiten zusätzliche Unterstützung an und stellen Sie sicher, dass alle die Prinzipien der Zusammenarbeit verstehen. Daraus kann durchaus eine engagiertere, hochmotivierte Belegschaft entstehen!

Interview mit UCSD

Melani Roberson, Senior Strategy und Innovation Analyst an der University of California San Diego (UCSD), hat mir erzählt, wie viel Support eine etablierte Innovationsplattform in Krisenzeiten bieten kann, sowohl strukturell als auch organisatorisch. Sehen Sie selbst, wie exzellent die USCD während Covid-19 das eigene Portal IdeaWave  für sich genutzt hat.

Das    Programmthema    2020    für   IdeaWave   lautete    "Communicating Impact" –  "(Aus-)Wirkungen kommunizieren" – ein in der Tat sehr passendes Thema. Denn natürlich ist es wichtig, die richtigen Geschichten zu erzählen und aus globalen Herausforderungen auf dem Campus zu lernen. Die Pandemie, so zeigte sich, hat an der UCSD ein beeindruckendes Gemeinschaftsgefühl ausgelöst. Sie hat sogar dazu geführt, dass schwer zu erreichende Gruppen (Studenten) sich an einem sicheren virtuellen Ort mit Gleichgesinnten austauschen.

Covid-19 hat zwar auch für viel Unruhe gesorgt – aber zugleich auch die Bereitschaft der Menschen gefördert, anderen zu helfen und Ressourcen dort einzusetzen, wo sie am meisten gebraucht werden. Letztlich diente das Portal als positives Ventil für Studenten, Mitarbeiter und Akademiker. Ein tolles Signal!

 

Hype_UCSD_nov_2020

 


Drei weitere Erkenntnisse aus diesem Gespräch:

  1. Ein gut gestaltetes Kollaborationstool kann unterschiedlichsten Stimmen viel mehr Gehör verleihen. Eine Plattform wie IdeaWave hilft verschiedensten ethnischen Gruppen an Universitäten dabei, ihre Anliegen zu formulieren und aktuelle Themen zu diskutieren, zum Beispiel "Wie sollen wir auf die Black-Lives-Matter-Bewegung reagieren?"
  2. Ein Online-Portal kann während einer Pandemie verschiedenste Funktionen erfüllen. Gruppen im Gesundheitswesen können es zum Beispiel als reines Kommunikationstool nutzen.
  3. Online-Gespräche während einer Pandemie sind inhaltlich oft sehr vielfältig und gehen tiefer. Die Themen reichen vom Support zu Richtlinien und Prozessen bei der Umstellung (z. B. Reisetickets; Einlösen von Belegen) bis hin zu Ideen, wie man ein "Zugehörigkeitsgefühl" schaffen kann. Wie auch immer das Thema lautet: Wichtig ist, alle Themen sorgfältig zu moderieren!

Extratipp: In der ausführlichen Case Study erfahren Sie, wie die UCSD ihre zentralen strategischen Themen mithilfe von Crowdsourcing vorantreibt. [Jetzt herunterladen]; (nur auf Englisch verfügbar!)

Infografik & Umfrageergebnisse

Als Ergänzung zu den Interviews haben meine Kollegen und ich im Sommer 2020 eine Umfrage unter mehreren HYPE-Kunden durchgeführt. Die gesammelten Ergebnisse finden Sie in dieser Infografik (nur auf Englisch verfügbar). Sie erfahren, wie Unternehmen weltweit umgehen mit

  • den Effekten und Auswirkungen organisatorischer Fragen und interner Trends auf Innovationsprogramme
  • zentralen Themen für unsere Innovationsmanagement-Community und
  • wichtigen aktuellen Konflikten.
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Die vollständige Infografik können Sie hier herunterladen.

Ich hoffe, dass Sie genauso viel Inspiration aus den Interviews ziehen konnten wie ich! Senden Sie gerne Ihre Kommentare, Fragen oder Anregungen per E-Mail an: oana-maria.pop@hypeinnovation.com. Wir werden auch im neuen Jahr Best Practices zusammentragen, denn "es ist ja noch nicht vorbei".

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Oana-Maria Pop

Oana-Maria Pop

Oana is the Head of Open Innovation at HYPE and specializes in the science of durable intra- and inter-firm relationships/collaboration. In her work, she combines academic insights with industry exper
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